15. Hochseetag, Meuterei in der Kombüse

Kartoffeln_sch+ñlenIch möchte hier auch ausdrücklich noch einmal klarstellen, dass der Job des Kochs generell und insbesondere auf unserem Boot meine Hochachtung genießt. Wir hatten immer und bei allen Widrigkeiten sehr gute Mahlzeiten. Aus Sicht des Kochs wird seine Arbeit allerdings ewig boykottiert. Die Eier landen nicht in der Pfanne, weil die Welle den Koch schubst oder die Position der Pfanne verändert. Halt auf dem schrägen wackeligen Boden hat man auch kaum. So sind einige der Zehen unseres Kochs jetzt blau. Ist das Essen aufgetischt, wird es häufig vom Tisch auf die Couch gefegt. Essensreste haben wir noch in allen Ritzen. Noch essen wir nicht aus Schnabeltassen. Wir machen das gepflegt. Nachher sieht es immer so aus, als hätten drei Kleinkinder Spinat gegessen. KochenHeute morgen dann die Krönung. Selbst die leblosen Gegenstände im Schrank attackierten unseren Koch. Nur durch einen Sprung zur Seite konnte er den drei Suppenschüsseln ausweichen. Sie zerschellten am Boden. Das Kaffeewasser sprang aus dem Filter in die gegenüberliegende Sitzbank. Und das alles, nachdem der Koch sich in der Nacht wieder einigermaßen abgeregt hatte. Aber das Jammern hilft nicht. Es sind nur noch ein paar Tage. Und besser nun den Wind und die Welle, als eine ausgedehnte Flaute.
Zur Welle noch eine kleine Geschichte. Gestern Abend war wieder Kino-Abend. Nach dem Kochen hatten wir die obere Backbordluke geöffnet. Wir sitzen auf der Steuerbord-Sitzbank und schauen auf der Leinwand über der Küchenzeile “El Dorado”. Dabei fahren wir einen Vorwindkurs. D.h., die Wellen kommen üblicherweise von hinten. Nicht aber die, die uns durch das obere Backbordfenster auf der Steuerbordseite in der Pantry nass spritzt. Dafür hatten wir von gestern bis heute einen Geschwindigkeitsdurchschnitt von 6,3 kn. Zweitbestes Tagesetmal.