2. Hochseetag

Heute Nacht hatten wir relativ wenig Wind und eine ruhige langsame Fahrt nur mit der Genua. Es waren noch zwei weitere Segler in Sichtweite. Heute verfolgt uns nur noch einer. Der Wind ist frisch und die Fahrt geht jetzt gut voran. Das Bordleben fällt noch sehr schwer. Jede Kleinigkeit kostet riesige Überwindung. Man muss sich regelrecht zum Essen und Trinken zwingen. Das Senden und Abrufen von Mail über Satellit hat gestern grundsätzlich funktioniert. Das Problem ist aber eine große GRIB-Datei (Wetter), die wegen ihrer Größe nicht geladen werden konnte. Sollte das Problem weiter bestehen, muss ich mir eine Lösung einfallen lassen.

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1. Hochseetag

Erste_NachtNach dem gestrigen Start erwartete uns draußen ein frischer Wind mit Spitzengeschwindigkeiten von 30 kn. Mit 2 Reffs im Groß und der gerefften Genua segelten wir zunächst mit Gran Canaria an Steuerbord. Nicht der starke Wind sondern die hohen Wellen, die das Boot immer wieder versetzten, machten uns stark zu schaffen. Um 1800 UTC wurde es bereits dunkel. An Schlaf war für keinen von uns zu denken. Trotzdem versuchte die Freiwache Ruhe zu finden, so dass immer einer für 3 Stunden alleine hinterm Steuer saß. Heute gegen 1500 UTC kehrt wieder etwas Leben in uns zurück. Unser 4. Mann, der Windpilot hat heute Morgen um 1000 das Steuer übernommen. Wir sind zuversichtlich, dass die Zeiten hier auch besser werden.

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Der Start

Start_Las_Palmas Start_Las_Palmas2Pünktlich um 11 Uhr UTC startete am Montagmorgen die Bahahti in ihr Abenteuer. Vorbildlich ging es von statten. Keine besonderen Vorkommnisse, keine Behinderungen oder vorzeitige Knock outs waren zu verzeichnen. Die Boote starteten mit einem Wind von ca. 4-5 Beaufort und einer Welle von ungefähr 3 m.

Unsere Bahati macht 6-8 Knoten und fährt nun bereits nach einem Seetag im ersten Drittel mit. Kurs ist direkt St. Lucia, die Kapverden werden links liegen gelassen. Sollten die Bedingungen so bleiben, ist die Bahati in 11 Tagen am Ziel.

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Nur noch Stunden

DieCrew

Der Start rückt immer näher. Das Ausklarieren der Boote hat bereits heute in der Früh um 8:30 Uhr begonnen. Wir waren gleich kurz vor 9 Uhr dort. Um 12 Uhr startete dann das Skipper-Briefing für den Skipper und Co. Die Startprozedur wurde besprochen und die Wetteraussichten erläutert. Das Wetter ist zurzeit sehr ungewöhnlich. Ein Tief liegt relativ fest nordöstlich von Gran Canaria. Die Kaltfront hat einen Tag Regen und kalte Luftmassen mitgebracht. Seit dem ziehen immer wieder Schauer und Gewitter durch. Der Wind bläst aus Nordwest mit Stärke 5-6, in Böen bis 8 Bft. Auch für den Starttag wird dieser Wind vorausgesagt. Weiter südlich lässt er etwas nach und dreht auf Nordost. Die Wellen sind 3-4 m hoch und kommen von Norden. Das wird wahrscheinlich anfangs kein Spaß. Positiv an der Situation ist, dass der Nordostpassat, der alle Boote nach drüben bläst, in diesem Jahr schon sehr weit nördlich ist, sodass wir im Prinzip gleich unseren Kurs mehr Richtung Westen stecken können und nicht die Südtour bis kurz vor den Cap Verden nehmen müssen. Das spart erheblich Seemeilen und Zeit. Aber so weit sind wir noch nicht.
ObstGemueseHeute ist zunächst das tiefgekühlte Fleisch eingetroffen und am Nachmittag das Obst und Gemüse. Obst muss gewaschen und getrocknet werden, bevor es eingeräumt werden kann. SalingeDer Tipp, dass die Salinge mit Schaumstoffrollen zum Schutz des Segels ummantelt werden können, haben wir dann auch noch umgesetzt. Auch die Taucher an den anderen Schiffen haben sich gewundert. Aber wie der Skipper der Cetus berichtete, hatte er eine Überfahrt mit dickem Bewuchs unterm Schiff. Das hat ihn erheblich ausgebremst. Unsere Bahati liegt ja nun auch schon seit April im Wasser. Also müssen wir das auch noch checken. Selbst ist der Mann. Der Skipper tauchte ab und fand das Unterwasserschiff in einem guten Zustand. Dank an AbtauchenThomas Beutel, der das richtige Antifouling wählte. Iris verabschiedete sich gestern mit einigen Adventsgeschenken und einem kleinen Weihnachtsbaum. Georgius, Skipper der Cetus, bedankte sich bei uns für kleinere Hilfestellungen  mit einer Flasche Moet für die „Half Way Party“. Moet_HalfWayPartyHatten wir bis heute auch noch nicht gehört. Und nun geht es bald los. Die drei Dortmunder Jungs vor ihrer großen Seefahrt.

Weihnachtsbaum

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Vorbereitung in Las Palmas

Am Samstag, den 15. November, flogen wir früh morgens von Düsseldorf nach Las Palmas. Durch die Zeitverschiebung von einer Stunde erreichten wir mit dem Mietwagen unser Schiff schon gegen 11 Uhr Ortszeit (12 Uhr deutscher Zeit). Gran Canaria empfing uns mit Regen. Wir machten uns gleich an die Arbeit denn es sollte noch einiges auf uns zukommen. Bevor der Segelmacher seinen Laden für das Wochenende schließt, holten wir dort unsere reparierte Genua ab.Genua_Rep Die Reparaturkosten lagen, und das war ja nicht anders zu erwarten, um fast 100% höher als veranschlagt. Aber es ging ja „nur“ um 100,- €!
Mehr oder weniger gleich nebenan ist das Büro der ARC. Also meldeten wir uns dort an und vereinbarten für Montag-Nachmittag den Termin für die Sicherheitsinspektion. Wir erhielten unseren ARC-Ausweis, der uns Zugang zu den Parties und Seminaren ermöglicht und die Nutzung des Schuttleservice erlaubt. Iris erhielt eine Gastkarte. Mit René, unserem „Agenten“ in Las Palmas, vereinbarten wir für Montagmorgen die Abholung unserer neuen Batterien. Im Anschluss daran durften Iris und Volker in ihrem Hotel einchecken. Udo und ich warteten bei einem kühlen Bierchen auf der überdachten Terrasse an der Playa de las Canteras von der aus wir ein Haus weiter in eine ausgezeichnete Tapasbar zogen. Den Abend ließen Udo und ich beim Sundowner ausklingen.

Der Sonntag stand im Zeichen der Eröffnungsparade. Der Regen war abgezogen und ein strahlend blauer Himmel empfing die Crews der 29 teilnehmenden Nationen.DinghyRace Die deutsche Fraktion ist die zweitgrößte nach der britischen. Nach den Reden am Ende der Parade startete das Dinghy-Fun-Race. Das Piratendinghy war einfach super gelungen.
Nach dem Essen ging es an Bord mit einigen Reparaturen weiter. Der Lüfter vom Kühlschrank, die Genua aufziehen und die Signalflaggen hissen. Pantry aus- und aufräumen.

Montagmorgen nach der Dusch konnten wir nicht wie bisher im der Sailors Bay frühstücken.Batterien_neu Die macht erst um 9 Uhr auf. Um 9 Uhr holte Udo und mich René ab um mit uns die neuen Batterien zu holen. 2 Batterien mit je 250 Ah und rund 45 kg Gewicht.Batterien_alt Die Dinger ins Schiff zu bringen und die alten heraus zu holen war eine Herkulesaufgabe. Aber es funktionierte alles reibungslos.

Am Nachmittag, gleich um 15 Uhr kam der gelbe WilhelmSicherheitscheck zur Sicherheitsinspektion. Vorbildliche Rettungsmittel und auch sonst fast alles perfekt. Trotzdem gab es ein paar Reklamationen. Das Lieblingsthema ist hier die Notrudersteuerung. Der Standard von Bavaria, aber nicht nur Bavaria, reicht nicht aus. Es fehlt eine zweite Fixierung und eine Möglichkeit die Notpinne festzustellen. Eine schöne neue Bastelaufgabe für Udo. Auch der Herd hat an der Aufhängung einen Schwachpunkt. Die Sicherungsfedern verbiegen sich im Laufe der Zeit und sichern den Herd nicht mehr richtig. Eine neue Aufhängung bekamen wir von Rüdiger, DHH-Skipper auf der Meltemi. Unsere Batterien waren gut gesichert, aber die Kabelenden waren an den Polschuhen blank.

Mit Schrumpfschläuchen konnte der Mangel einfach behoben werden. Ansonsten fehlte eine Pfeife an unserem alten Rettungsring, der zweite Eimer war nicht stabil genug, am zweiten Rettungsring musste ein Treibanker nachgekauft werden. Und im Cockpit fehlte ein griffbereites Messer. Alles soweit Kleinigkeiten. Unsere Kannad Epirb war dazu noch von einer Rückrufaktion betroffen. Der Händler vor Ort hatte die Sache nach 2 Tagen behoben. Alles bestens organisiert von der ARC.Seminar_DownWind

 

Die nächsten Tage waren gerettet. Nachrüsten, Ersatzteile kaufen, basteln und testen. Daneben Seminare besuchen, beim Sundowner andere Segler treffen, Crewdinner und die groß angekündigte Kostümparty.

Wir waren gut vorbereitet. Zu der geforderten Nachrüstung gemäß Sicherheitscheck kamen noch die guten Tipps von den Seminaren und den anderen Skippern. Schäkelbolzen sichern, Salinge abkleben, Leinen und Fallen prüfen und ausbessern.

GetränkeUnd selbstverständlich mussten wir für drei Wochen bunkern. Der Metzger liefert auf minus 25 Grad gefrorenes Fleisch, ca. 10 kg. Das wird den Energiebedarf unseres Kühlschranks zu Beginn drastisch reduzieren. Die Lieferung der Getränke war aber auch schon überwältigend. Das Verstauen hat überraschender Weise sehr gut funktioniert. Wie viel doch in so ein Boot passt. Die Menge der nicht verderblichen Lebensmittel, Nudeln, Reis, Aufbackbrot, Kekse, etc.. war recht überschaubar.Lebensmittel Gemüse und Obst wird noch geliefert und muss von uns gewaschen und getrocknet werden. Bei der Wetterlage kein leichtes Unterfangen. Nach der Kaltfront und dem großen Regen ziehen immer wieder heftige Schauer und Gewitter durch. Die Zeit rennt. Und die vermeintlichen Kleinigkeiten dürfen nicht vergessen werden: E-Mail per Satellit testen, Akkus aufladen, Telefonnummern einprogrammieren, Wasserflaschen beschriften, Wachplan besprechen etc..

 

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Freitag, 03.10.2014, 0845 Bordzeit (MEZ), Position: Marina Las Palmas auf Gran Canaria

Nachdem der Wind am Donnerstagabend auf 2-3 Bft. abflaute und weiterhin direkt von achtern kam, beschlossen wir, das letzte Stück mit dem Diesel zurück zu legen. Für diesen Wind benötigt man ein Spi oder ein Parasail. Eine Pasatbesegelung, zwei ausgebaumte Genua würde auch noch funktionieren. Aber diese Option hatten wir nicht mehr. Also Blister runter und Badeleiter raus. Ein Bad auf dem offenen Atlantik mit 3000 m Wassertiefe. Herrlich und überraschend warmes Wasser. Mit dieser Erfrischung können wir die letzten Meilen motiviert angehen. Der Koch kredenzte noch einmal einen Reistopf. Und dann beschlossen wir, ein wenig Heimat auf den Kahn zu holen. Mit Motor war die Geräuschkulisse zwar wieder extrem angestiegen, aber wir müssen keine Rücksicht auf die Batterieladung nehmen. Kult-KINOABEND: „Bang Bum Bang“ zum Mitsprechen, Chips und Bier. Ab und zu mal nach vorne schauen. Nichts zu sehen.
Die erste Wache startete ich nach Filmende um 2230. Der Mond beschien das Meer und die Abendluft war lau. Kurze Hose und T-Shirt auch noch um 2300 Uhr. Volker schlief in der Bugkabine und Udo kam um 2300 völlig genervt hoch und legte sich mit dem Schlafsack auf das Vorschiff. Motor, elektrischer Autopilot und das Interieur-Holz knarrte und ächtzte bei jeder Schiffsbewegung. Das hatten wir bis Portugal nicht. Ist das auf eine mangelnde Sorgfalt bei der Verarbeitung und Einpassung zurück zu führen? Gibt es das Hafen_LasPalmasauf anderen Schiffen auch? Gegen Ende meiner Wache tauchte die AIDA Stella an Backbord auf. Sie kam von Lanzarote und fuhr zum Start- und Endhafen der Kanarenrundreise, nach Teneriffa. Trotz Lärm konnte ich irgendwann einschlafen und kam am Morgen gegen 0700 wieder an Deck. LasPalmasDie beleuchtete Skyline von Las Palmas lag groß vor uns. Nach 5 Tagen zeigte auch das iPhone wieder „Balken“. Volker hatte schon von Iris die neuesten Nachrichten erhalten. Sie verfolgte uns wohl schon seit einiger Zeit über AIS. Der BVB hatte 3:0 gewonnen. Und wir sind angekommen. So viele gute Nachrichten.
In der Marina ging es sofort an die Tankstelle. Wenn die ARC startet, soll es praktisch unmöglich sein Auftanken_LasPalmasDiesel zu bekommen. So haben wie dies schon erledigt. Danach machten wir am Steg gegenüber dem Marina-Büro fest. 10 Minuten zu früh. Um 0900 Uhr wurde geöffnet und dann musste man sich eine Nummer ziehen. Das Einklarieren ging schnell. Wir waren bereits angemeldet und unsere Papiere als PDF ebenfalls schon vorab versendet. Nachdem wir dann an unserem Liegeplatz festgemacht hatten, gab es ein ausgiebiges Frühstück. Der Tag konnte beginnen. Alles super.

 Waesche

Donnerstag, 02.10.2014, 1200 Bordzeit (MEZ), Position: 29° 46′ N und 014° 41′ W

Etappe6_DoUnsere Batterien haben wir wieder aufgeladen. Die verfügbare Kapazität scheint nur noch ca. 100 Ah zu betragen. Vor der Überfahrt nach St. Lucia müssen die Batterien ausgetauscht werden. Mit den defekten können wir vorerst leben. Ansonsten sind wir gut voran gekommen. Der Wind hat sich exakt an den Wetterbericht gehalten und im Laufe des heutigen Tages auf 3-4 Bft. abgenommen. GenuaBis heute Mittag sind wir mit der einen verbliebenen ausgebaumten Genua und der Windsteueranlage problemlos und gemütlich gefahren. Der abflauende Wind machte es nötig die Genua zu bergen und dafür den Blister zu setzen. Das Zusammenfalten der Genua auf dem Schiffsvordeck müssen wir noch einmal üben. Den verdrehten Blister dann zu entwirren und zu setzen hat auch einiges an Zeit und Nerven gekostet. Insgesamt hat das Wechseln der Segel fast 2 Stunden gedauert. Damit gewinnen wir keine Regatta. Aber jetzt ist alles gut. Außer, dass die Steuerstange des Windpiloten verbogen ist. Jetzt surrt der elektrische Pilot. Die Stange muss ausgebaut und gerade gebogen werden. Wie konnte das nun wieder passieren?
Auch Kurrioses gibt es zu vermelden. Gestern fanden wir halb unter dem Solarpanel auf unserer Sprayhood eine „Art“ Tintenfisch. Angetrocknet. Wie kommt der dahin? Vielleicht hat uns die Möwe den Fisch als „Bezahlung“ für ein Stück Transfer dagelassen?Fisch
Und dann sichteten wir eine rote Boje. 240Sm vom nächstgelegenen Land entfernt. Welcher Fischer fährt so weit raus? Naja, vielleicht hat die auch jemand verloren? Eine Stunde später. Volker: „Wo ist eigentlich unser roter Kugelfender, der immer am Heck angebunden war?“ Ja wo ist der denn?
Das Abendessen haben wir sequentiell durchgeführt. Erst das Hauptgericht, dann den Tomatensalat und dann den Wein. Außer, dass die Schüssel mit dem Tomatensalat umgekippt ist, ist nichts passiert. Wir werden immer besser.
NachtDas Wetter ist herrlich und das Funkgerät lässt auch schon hin und wieder Stimmen erklingen. Noch eine Nacht, dann sind wir am Ziel. Apropos Nacht. In der ersten Wache scheint noch eine kleine Mondsichel. Danach ist alles dunkel. Nichts passiert. 3 Stunden Leere. Nur Müdigkeit und keine Ablenkung. Das ist für uns alle eine äußerst unangenehme Pflicht. Hierüber gilt es für die Atlantiküberquerung noch einmal nachzudenken.

Mittwoch, 01.10.2014, 1200 Bordzeit (MEZ), Position: 31° 56′ N und 013° 41′ W

Etappe6_Mi„Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt die ist schön, ja da kann man was erleben, ja da kann man vieles sehen.“ So ähnlich klingt das Volkslied und so ähnlich ist es in der Realität. Der Wind legt im Verlauf des gestrigen Tages mehr und mehr zu. Auch die Wellen wurden immer spaßiger. Beim Abendessen konnte man dann beobachten, dass die Nudeln mit Soße schneller den Schiffsbewegungen folgen als der zugehörige Teller. Volkers Abendessen verteilte sich dann auf seinem Schoß und auf der Sitzbank. Auch das Nachfüllen gelang nicht perfekt. Eine Portion landete hinter dem Ofen. Das war, für Volker nicht, aber für uns schon ein wenig lustig.Smudje

Aber es sollten noch weniger lustige Ereignisse folgen. Zunächst aber das Positive. Das Empfangen der Wetterdaten hat doch funktioniert und funktioniert auch generell. Eine 100 kB Datei dauert nur knappe 10 Minuten. Da kommen die kleinen Männchen und tragen jedes Bit einzeln zum Schiff. Aber sei es drum. Es geht und der Wind wird auf 5 Bft. zulegen, in Böen 6-7. Ab Mittwoch wird es stetig weniger.
Nun lag die Entscheidung von neuem an, wie durch die Nacht segeln. Wir entschieden uns für die aktuelle Passatbesegelung. Der Wind kam direkt von hinten. Aber wir einigten uns darauf, manuell zu steuern, da die Wellen und die Böen der Windsteueranlage wohl doch zu schaffen machte. SipperkabineDie Spitzengeschwindigkeit beim Herabreiten einer Welle betrug 11,9 kn. Die Vorfreude auf die Nachtwache war bei allen nicht groß. Udo startete um 2200. Ich hatte die Wache um 0100 bis 0400. Also vorher schlafen. Keine Chance. Im Bett konnte man sich kaum halten und der Krach von den Schiffsverwindungen, das Knarren und Knirschen, das vorbeirauschende Wasser, die manchmal schlagenden Segel, Urgewalten, unheimlich.
Kurz vor Udos Wachende war es dann soweit. 3 Stunden manuelles Segeln konnte man nicht hochkonzentriert schaffen. So bekam die Genua das ein oder andere Mal Wind von Navigationder „falschen“ Seite. Das Resultat war eine zerrissene Schlaufe. Diese Genua bergen, wir haben ja noch unsere zweite, neue Genua. Also fuhren wir nur noch mit einer Genua durch die Nacht, was aber auch völlig ausreichte. Volker löste mich um 0400 ab und hatte bis dahin auch noch kein Auge zugemacht. Nach der Wache ist die Müdigkeit dann so groß, das all die vorher genannten Unwägbarkeiten nicht mehr stören. Um 0730 Uhr weckte mich ein Piepen. Ich dachte an einen Wecker oder eine Uhr. Aber Nein. Nächste Hiobsbotschaft. Die Verbraucherbatterien sind leer. Wie kann das sein? Wir hatten nach meiner Wache um 0400 noch 430 Ah. Da können eigentlich nur die beiden Verbraucherbatterien defekt sein. Wir starten den Motor und versuchen die Batterien noch einmal zu laden. Jetzt, nach fast 4 Stunden Ladezeit haben wir gerade 80 Ah. Wir stellen uns darauf ein, ohne Verbraucherbatterie den Törn zu beenden. Das ist kein größeres Problem. Wir haben genügend Hand-GPS-Geräte und anscheinend funktioniert die Spannungsversorgung wenn der Motor läuft. Diesel ist auch noch ausreichen vorhanden. Die Batterien sind jetzt 8 Jahre alt. Die Frage ist nur, warum das Philippi, das Batterieladeanzeigegerät, nicht vorher irgendeine Meldung zum Batteriezustand macht?
Wir kommen aber gut voran und denken, dass wir bereits Freitag am frühen Morgen in Las Palmas ankommen werden.

PS.: Die Verbraucherbatterie ist wieder voll geladen. Wird wahrscheinlich noch bis Las Palmas funktionieren.

Dienstag, 30.9.2014, 1200 Bordzeit (MEZ), Position: 34° 24′ N und 012° 20′ W

Etappe6_DiMontag um 1500 Bordzeit beschlossen wir, den Blister zu setzen und auf den Diesel zu verzichten. Der Wind kam aus Nordnordwest mit 10-12 kn, also gute 3 Bft. Natürlich setzten wir auch den Windpilot, die Windsteueranlage, ein.

Skipper

Skipper

In Großen und Ganzen funktionierte dies auch. Wahrscheinlich ist das Hilfsruderblatt mit zu großem Winkel installiert, sodass die Ausschläge nach Steuerbord und Backbord recht groß sind. Das müssen wir noch nachbessern. Aber die Stille ist einfach grandios. Ein weiteres Problem ist aufgetaucht. Und zwar funktioniert die e-Mail-Übertragung per Satellit, aber die winzige GRIB-Wetterdatei von 86 kB konnte nicht geladen werden. Zu langsam ist die Übertragung. Naja, für diese Fahrt haben wir die Vorausschau bis Donnerstag. Das wird gehen.

Volker

Mit dem Abschalten des Motors kommt auch unsere Energieversorgung ins Spiel. Die Plotter werden ausgeschaltet und alle anderen nicht zwingenden Geräte ebenfalls. Solarpanels und Windgenerator sollten die Batterien möglichst geladen halten. Allerdings wird bei unserem Südkurs die Sonne recht schnell durch das Segel verdeckt. Auch die Tage sind nicht sonderlich lang. Um 0800 ist Sonnenaufgang und um 1900 Sonnenuntergang.
Da der Wind relativ konstant blieb, entschieden wir, auch in die Nacht hinein mit Blister zu segeln. Meine erste Wache blieb ohne besondere Vorkommnisse und auch Volker hatte bis kurz vor seinem Wachende um 0400 keine Probleme.Navigator Gegen Ende seiner Wache hatte der Wind aufgefrischt und den Blister beim Vor-Wind-Kurs (nicht gut für einen Blister geeignet) einfallen und verwickeln lassen. Wir beschlossen zu Dritt den Blister zu bergen. Das funktionierte wegen der „Verwicklungen“ wieder nicht mit dem Bergeschlauch. So zogen wir den Blister so irgendwie an Bord und setzten danach die Genua. Die Entscheidung war genau richtig. Von den 15 kn Wind um 0400 legte er auf gute 20 kn am Morgen zu. Mit dem Wind kam auch die Welle. Einiges vom Frühstück befindet sich noch in den Polstern und Decken. Die Brötchen hüpften vom Teller, der Kaffee sprang aus der Tasse, das Messer steckte in den Planken. Nur gut, dass wir schon ein paar Tage unterwegs sind. Seekrank war bisher keiner von uns. Zurzeit fahren wir mit zwei ausgebaumten Genua Kurs 205° mit ca. 7 kn durch das Wasser. Die Sonne scheint und die Temperatur liegt bei 27°, selbst in der Nacht geht die Temperatur kaum unter 20°.

Heute Nacht werden wir auf Nummer sicher nur mit der Genua segeln. Gruß nach Deutschland und wir drücken dem BVB für morgen Abend die Daumen.